Ganzheitliche Kieferorthopädie Funktionskieferorthopädie
1. Was bedeutet ganzheitliche Kieferorthopädie?
Die Ganzheitliche Kieferorthopädie versucht Fehlentwicklungen im Kiefer-, Gesichtswachstum sowie ihre ganzkörperlichen Zusammenhänge rechtzeitig zu erkennen und mit einfachen und sanften Mitteln zu behandeln. Im Gegensatz zur klassischen Kieferorthopädie (Orthodontie) wird der Schwerpunkt nicht auf eine optimale Ausrichtung der Zähne nach ästhetischen Gesichtspunkten gelegt sondern es stehen hier funktionelle und medizinische Aspekte wie Kiefer- und Kopfstellung, Kiefergelenk, Kaumuskulatur, Mundatmung, Zungenlage, psychosoziale Faktoren u.a. im Vordergrund.
2. Warum bekommt man eigentlich schiefe Zähne?
Das fängt mit der Geburt an! Das neugebohrene Kind hat in der Regel einen sehr kurzen Unterkiefer. Man vermutet damit es besser den Kopf durch den Geburtskanal zwängen kann. Wenn das Kind an der Mutterbrust trinken darf, wird es gezwungen stark und lange zu saugen und schiebt den Unterkiefer nach vorne. Dieser regelmäßige Reiz stimuliert das Wachstum des Unterkiefers und dieser gleicht sich langsam dem Oberkiefer an. Das Saugen an der Mutterbrust ist also die beste Voraussetzungen dafür, dass der Kiefer und die Zähne schön ausgeformt werden.
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Normaler Unterkiefer |
Zu kleiner Unterkiefer |
Zu großer Unterkiefer |
Dieser Wachstumsreiz wird bei spitzen Saugern häufig nicht bewirkt, da hier die Nahrung häufig zu schnell entnommen werden kann und keine optimale Mundformung stattfindet. Kinder, die durch die Milchflasche ernährt werden, haben teilweise ein fliehendes Kinn und einen schmalen Oberkiefer. Der Mundraum wird dabei stark eingeengt, und die Zunge hat keinen Platz mehr. Also legt sie sich zwischen die Zähne oder wandert nach vorne.
 Der offene Biss: Typische Fehlstellung nach Daumenlutschen oder durch Zungendruck
Das Gesicht und die oberen Atemwege bleiben häufig schmal, so dass das Kind keine Luft mehr durch die Nase bekommt und durch den Mund atmen muss. Hier wird der Grundstein gelegt für die Entstehung schiefer Zähne, Sprachstörung, Atemschwierigkeiten, Haltungsfehler, Schlafstörungen, u. a..
Andere Faktoren wie Daumenlutschen, Fehlage der Zunge, Mundatmung, Vererbung u.a. müssen ebenfalls ermittelt und in das therapeutische Konzept eingebunden werden.
3. Wann und wie kann mit der Behandlung begonnen werden?
Schon im Alter von 2-6 Jahren sollte man Fehlentwicklungen erkennen und mit einfachen Mitteln wie Verhaltensänderungen, NUK-Saugern und Mundvorhofplatten behandeln. Wichtig ist auch die Diagnose von chronischen Allergien der oberen Atemwege und ihre Behebung durch Spezialisten.
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Sanfte Mundformung durch den Bionator nach Balters |
Nach Schulbeginn können einfache funktionelle kieferorthopädische Apparaturen, wie der Bionator z.B., eine deutliche Besserung der Kieferfehlstellung, der Mundatmung und Sprachstörungen bewirken. Durch diese sanfte Therapie wird dem Kind eine vollständige Ausformung der Kiefer ermöglicht, wenn Eltern und Kind zum intensiven Tragen der Apparatur zu motivieren sind. Auch wirkt sich dieses Gerät positiv auf die Körperhaltung aus und verringert Probleme wie Kopfschmerzen, Nackenschmerzen u.a.. Häufig werden somit auch Zahnextraktionen wegen Kieferenge und eine festsitzende kieferorthopädische Behandlung vermieden.
 Diesen ungünstigen Kreuzbiss hätte man in der frühen Kindheit problemlos behandeln können
4. Nachteile der Funktionskieferorthopädie
+ Der Erfolg der Behandlung kann nur bei konsequentem Tragen des Gerätes gewährleistet werden (16-23 Stunden am Tag). + Die Eltern müssen die Kinder häufig zum Tragen motivieren. + Die Behandlungsdauer liegt zwischen 3 und 6 Jahren. + Zahndrehungen und körperliches Verschieben von Zähnen sind kaum möglich. + Die Kosten werden von gesetzlichen Krankenkassen in der Regel nicht übernommen. Die privaten Versicherungen erstatten die Kosten. + Man findet nicht in jeder Stadt einen Zahnarzt/Kieferorthopäden, der diese Technik anwendet.
5. Vorteile der Funktionskieferorthopädie
+ Die Behandlung beginnt in der Regel früh, zwischen 5 und 9 Jahren, einem Alter in dem die Kinder gut zu motivieren sind. + Unterkiefer und Oberkiefer werden in ihrem Wachstum positiv beeinflusst, so dass in der Regel keine Zähne wegen Platzmangel entfernt werden müssen. + Atmungstörungen wie Mundatmung und eingeschränkte Nasenatmung werden positiv beeinflusst. + Durch die Vorverlagerung des Unterkiefers kann die Zunge sich weniger nach hinten verlagern und das Risiko für späteres Schnarchen / Obstruktive Schlafapnoe wird reduziert. + Kopfschmerzen, Nackenschmerzen und Ohrenschmerzen können häufig dadurch beseitigt werden. + Die Behandlung ist deutlich kostengünstiger als eine festsitzende Maßnahme mit Brackets.
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